Projekt Ökowerkstatt 2016

Projektreihe: Von der »Großstadtpflanze« zur Naturexpertin – Mädchen erforschen Lebensräume, 2. Projektjahr »Stadtökologie«

Nachdem wir 2014 die Projektreihe mit dem Ökosystem Wald begannen, nahmen wir uns 2016 das Thema »Stadtökologie« vor. Dank der Finanzierung aus Mitteln des Programms Förderung der Intensivierung der Umweltbildung in Bayern aus Zinserlösen des Umweltfonds des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz konnten wir das Projekt realisieren.

Zielsetzung des Projektes

Die Zugänge zu Umweltthemen sind für viele Mädchen aus dem Umfeld des Mädchentreffs problematisch. Wir können sagen, dass unsere Besucherinnen mittlerweile »naturfern« aufwachsen, daher kennen sie viele Pflanzen, Tiere, Naturphänomene und Zusammenhänge nicht. Diesen Mädchen möchten wir mit unserem Projekt ermöglichen, verschiedene Ökosysteme naturwissenschaftlich, spielerisch und angstfrei zu entdecken und ihr Interesse für die einheimische Flora und Fauna zu entwickeln. Wir fördern damit den Zugang zur Natur und den natürlichen Forschungsdrang der Mädchen schon sehr frühzeitig, damit sie später auch zukunftsträchtige, »grüne« MINT- Berufe in Betracht ziehen können. Gleichzeit möchten wir ihre Integration fördern, denn viele Mädchen stammen aus Familien, die aus den unterschiedlichsten Gründen eingewandert sind. Damit einhergehen soll langfristig eine Verbesserung ihrer Lebensperspektiven, denn nur wenn sie nicht mit existentiellen Problemen beschäftigt sind, werden sie sich auch weiterhin mit Umweltthemen befassen.

Mit dem Projekt Stadtökologie wird Natur für die Mädchen in Ihrem Lebensumfeld »Stadt« unmittelbar erleb- und anfassbar, Ängste in Bezug auf die Natur können abgebaut und Selbstbewusstsein gefördert werden. Die Mädchen erfahren, wie Natur sich in der Stadt entwickelt, wie sie geschützt und gefördert werden kann. Rollenklischees bezüglich der späteren Berufswahl sollen entkräftet und wissenschaftliches/handwerklich-technischen Arbeiten bereits in jungen Jahren gefördert werden. Über die Mädchen sollen auch die Herkunftsfamilien erreicht werden, damit auch hier ein Wandel in Bezug auf Umweltthmen einsetzen kann.

Beim Erforschen des Ökosystems Stadt stand uns eine erfahrene Biologin als Expertin zur Verfügung, weitere Fachfrauen, wie z. B. eine Schreinerin, und eine in der Umweltpädagogik versierte Studentin wurden aktionsbezogen integriert. Unser Projekt umfasste die erste Pfingstferienwoche, 8 Exkursionsnachmittage mit der Biologin, einen Schreinerinnenworkshop und 2 Workshops zu den Themen Mauersegler und Igel. Alle Angebote bewegten sich im Rahmen der Ökowerkstatt, der Projektzeitraum war von März bis Dezember 2016.

Durchführung

Projektangebot der Schreinerin

Die Schreinerin baute im März 2016 eine Pflanzenpresse mit den Mädchen. Sie lernten dabei die fachgerechte Verarbeitung von Holz und die richtige Handhabung von Werkzeugen kennen, auch der berufliche Werdegang einer Schreinerin wurde dabei thematisiert. Die Mädchen skizzierten, planten, entwarfen, sägten, bohrten und schleiften. Insgesamt entstanden 8 Pflanzenpressen, die die Mädchen behalten durften, 2 konnten wir in unseren Ökowerkstattfundus aufnehmen. Bei diesem Angebot waren überwiegend jüngere Mädchen vertreten, sie waren begeistert bei der Sache und produzierten nicht nur für sich selbst, sondern auch für zukünftige Aktionen des Mädchentreffs.

Projektexkursionen mit der Biologin

Die Mädchen sollten unterschiedliche nahegelegene ökologische Lebensräume im Stadtteil kennenlernen und erforschen. Artenkenntnis, Besonderheiten und Unterschiede sollten herausgearbeitet werden. Mit der erfahrenen Biologin erforschten die Mädchen die nähergelegene Umgebung des Mädchentreff, jede der 8 Exkursionen hatte eine andere thematische Ausrichtung und wurde von einer studentischen Kursbegleitung und der Projektkoordinatorin unterstützt.

1. Vögel im Stadtteil (06.04.2016)

Mit Ferngläsern, Stadtplan, Block, Stiften und Bestimmungsbüchern waren die Mädchen mit der Biologin im Stadtteil unterwegs. Die entdeckten Vogelarten wurden mittels Fachbüchern bestimmt und ihr Vorkommen gezählt, anschließend der »Fundort« im Stadtplan eingezeichnet. Es entstand ein Plakat mit den verschieden Vogelarten im Stadtteil.

2. Frühblüher, Essbare Pflanzen im Stadtteil, »Löwenzahn & Taubnessel ab in den Quark!« (04.05.2017)

Welche Pflanzen im Stadtteil sind essbar? Unter welchen Bedingungen wachsen diese Pflanzen, sind die essbaren Pflanzen auch genießbar? Dies waren die Fragestellungen der 2. Exkursion. Die Mädchen suchten im Stadtteil nach essbaren Pflanzen und entschieden je nach Standort, ob sie diese Kräuter essen würden. Da die meisten essbaren Kräuter an viel befahrenen Straßen oder mit Tierexkrementen verschmutzten Baumscheiben wuchsen, haben wir uns letztendlich für die Kräuter im Mädchentreffgarten entschieden. Löwenzahn, Taubnessel, Schlüsselblumen, Gänseblümchen kamen in den Quark. Bei diesem Ausflug wurden die massive Umweltverschmutzung im Stadtteil, die »wilde« Müllentsorgung und das Problem der allgegenwärtigen Hundeexkremente für die Mädchen sehr deutlich. Auch hier ist ein Plakat mit den verschiedensten Kräutern im Stadtteil entstanden.

3. Ahorn, Birke, Zypresse - Welche Bäume wachsen in St. Leonhard? Sträucher, Pflanzen, Lebensräume für Tiere (15.06.2016)

Diese Exkursion sollte den Mädchen die verschiedenen Baumarten in St. Leonhard näherbringen: Welche Bedingungen haben die Bäume hier, unter welchen Problemen leiden sie (Wassermangel, Verschmutzung, Verletzungen der Rinde und Wurzeln), welche Arten gibt es, welche sind heimisch oder haben sich »wild« angesiedelt. Die Standorte der vorgefundenen Bäume haben die Mädchen in die Stadtteilkarte eingezeichnet, sodass eine kleine Baumkarte entstand.

4. Welche Insekten finden wir im Stadtteil? Kleinlebewesen in der Stadt: Spurensuche, Geräusche (29.06.2016)

Ausgerüstet mit Becherlupe, Keschern und Bestimmungsbüchern ging es los auf Insektensuche. Die Mädchen konnten bei diesem Ausflug sehr intensive Erfahrungen machen und einige haben dabei ihre Angst vor den kleinen Lebewesen überwinden können. Sie ließen sich Käfer über die Hand krabbeln, beobachteten Ameisen und konnten Insekten mittels Becherlupen näher bestimmen.

5. Gewässerlebewesen »Rückenschwimmer und Mauerläufer – Was lebt im Wasser?«(13.07.2016)

Diese Exkursion konnte wetterbedingt nicht wie geplant stattfinden. Wir mussten die Aktion abbrechen, nachdem Starkregen einsetzte. Im Mädchentreff recherchierten die Mädchen mit der Biologin im Internet nach Wasserlebewesen. Die Biologin hatte Karten mit Abbildungen von Wassertieren dabei. Sie erklärte den Mädchen den Zusammenhang von Wasserlebewesen und der Wasserqualität der Teiche und Flüsse in Nürnberg, auch das Thema »Veralgung von Gewässern« wurde besprochen. Da sich keine Wetterbesserung einstellte, schauten sich die Mädchen von der Biologin ausgewählte Unterwasseraufnahmen von Wasserlebewesen im Internet an. Das Thema Wasserlebewesen wollten wir in den Pfingstferien noch einmal aufgreifen, damit bei den Mädchen auch ein lebensnaher Eindruck dieses Ökosystems entstehen kann.

6. Samen und Früchte (28.09.2016)

Warum tragen Pflanzen Früchte? Weshalb geschieht dies im Herbst? Welche Früchte sind essbar und von welchen sollten die Mädchen besser »die Finger lassen«? All das war Thema dieses Ausflugs. Wir suchten dazu im Stadtteil nach fruchttragenden Pflanzen und bestimmten die Art mit Bestimmungsbüchern. Der Standort wurde wieder in eine Karte eingetragen und ein Plakat im Mädchentreff erstellt. Gesammelte Hagebutten wurden zu Tee verarbeitet und verkostet.

7. Moose und Flechten, Pflasterritzen und Mauerfugen (09.11.2016)

Obwohl sie überall vorhanden sind, werden sie oft übersehen: Moose und Flechten, zwischen Mauerfugen, Pflasterritzen, an Bäumen, Betonpfeilern, Treppen – überall können sie gefunden werden. Die Mädchen machten sich begeistert auf die Suche nach diesen kleinen Lebewesen. Die Arten wurden wieder in Bestimmungsbüchern nachgeschlagen und das Vorkommen dokumentiert.

8. Natur im Winter/Dezember, Lieblingsorte im Stadtteil (Orte der Erholung, Spielraum), Projektzusammenschau (07.12.2016)

Am letzten Aktionstag fragte die Biologin nach »Lieblingsorten« der Mädchen im Stadtteil, einen davon wollten wir im Anschluss nochmals besuchen. Wir gingen die einzelnen Exkursionen mittels der entstandenen Plakate durch, die Mädchen hatten Gelegenheit, ihr dabei entstandenes Fachwissen an die Mädchen weiterzugeben, die nicht bei den Ausflügen dabei waren. Wir schauten uns Fotos und Fundstücke der Aktionen an und machten uns dann auf den Weg, die Natur des Stadtteils im Winter zu beobachten. Der Lieblingsort der Mädchen war ein Teich in der Nähe, der teilweise zugefroren war. Sie hatten viele Fragen zu den Wasserlebewesen im Winter, erstaunlich war für sie, dass es immer noch Blumen gab, obwohl es schon Dezember war. Die Biolgogin wurde im Anschluss verabschiedet, die Mädchen bedauerten, dass die Ausflüge mit ihr vorerst zu Ende waren.

Besondere Tierarten im Stadtteil: Mauersegeler und Igel

Anhand der Beispiele Igel und Mauersegler sollten den Mädchen zwei Tierarten nähergebracht werden, die bedroht oder besonderen Gefahren ausgesetzt sind. Die Kursleitung übernahm eine ehemalige Vollzeitpraktikantin des Mädchentreffs, sie hat bereits viele Angebote im Rahmen der Ökowerkstatt durchgeführt und wird ihr zukünftiges Berufsfeld im Bereich der Umweltpädagogik anlegen.

Mauersegler im Stadtteil (06.07.2016)

Die Mädchen lernten die bedrohte Vogelart der Mauersegler kennen, sie recherchierten zu den Lebensbedingungen dieser Vögel und suchten im Stadtteil nach Nistplätzen und Spuren der Mauersegler. Gerade der Staddteil St. Leonhard bietet den Mauerseglern vielfältige Nistmöglichkeiten, da es viele unsanierte Gebäude gibt. Daher war es nicht schwer, mit Kinderferngläsern ausgerüstet, auf Beobachtungstour zu gehen, und auf Anhieb Mauersegler zu finden. Ihr neu erworbenes Wissen konnten die Mädchen in einem anschließenden Quiz einbringen. Als »Belohnung« für ihren Einsatz bei dieser Aktion erhielten die Mädchen eine gut ausgearbeitete Postkarte mit allen relevanten Informationen und Bildern zu den Mauerseglern.

Igel im Stadtteil (23.11.2016)

Die Mädchen befassten sich mit dem Lebensraum des Igels in der Stadt, welche Lebensbedingungen haben Igel in der Stadt? Welchen Bedrohungen sind sie ausgesetzt? Den Plan, eine Überwinterungshilfe für den Igel zu bauen, haben wir aus Zeitmangel verschieben müssen, wir werden diese Aktion im Rahmen der Ökowerkstatt im nächsten Jahr nachholen. Die Mädchen recherchierten im Internet und in Fachliteratur, ein Igelquiz führte die Akteurinnen spielerisch in die Lebenswelt des Igels ein. Das Thema Vermüllung im Stadtteil war auch hier wieder sehr präsent. Da der Igel ein positiv besetztes Tier ist, sind die Eindrücke und das Wissen über die Gefahren besonders nachhaltig bei den Mädchen angekommen. Es entstand eine intensive Diskussion unter ihnen mit vielen Vorschlägen zu Verhaltensänderungen.

Pfingstferienprogramm 2016: »Tiere, Pflanzen, Bäume … und ich – leben in der Stadt«

Das Thema Stadtökologie beschäftigte uns auch in den Pfingstferien. Unter dem Motto »Tiere, Pflanzen, Bäume … und ich – leben in der Stadt« machten wir uns zusammen mit der Biologin auf den Weg, vier verschiedene städtische Naturorte in der näheren Umgebung zu besuchen und die jeweiligen Besonderheiten zu erforschen. Die Ausflüge begannen um 10.00 Uhr und endeten zwischen 14.30 und 16.00 Uhr. Das Wetter in der ersten Ferienwoche war sehr kalt und regnerisch, dennoch haben alle Mädchen voller Vorfreude mitgemacht. Vor allen Ausflügen gab die Biologin kurze Einführungen zum jeweiligen Stadtökologie-Thema, und die Mädchen hatten Gelegenheit, ihre Eindrücke von den Vortagen auf Plakate zu übertragen.

1. Tag: Lebensraum Nürnberger Burg – die Wanderfalken

Die Nürnberger Burg als Lebensraum für Tiere und Pflanzen stand im Mittelpunkt des ersten Exkursionstages. Insbesondere die Wanderfalken, die am Sinnwellturm einen Nistplatz haben, standen im Fokus. Da im Nistplatz eine Webcam installiert war, konnten die Mädchen vorab einen Blick auf die jungen Wandervögel werfen (siehe www.lebensraum-burg.de/livecam/wanderfalke). Mit Ferngläsern ausgerüstet ging es danach auf die Burg, um die Vögel in der Stadtnatur zu beobachten. Diese Aktion stieß auf sehr großes Interesse und wurde mit Spannung erwartet. Im Anschluss führte uns die Biologin in die Burggärten und den Kräutergarten im Burggraben. Die Mädchen konnten eine Vielzahl von kleinen »BurgbewohnerInnen« ausmachen, Insekten beobachten, Pflanzenarten bestimmen und im Kräutergarten der Burg Kräuter verkosten.

2. Tag: Die Sandachse im Nürnberger Süden – ein besonderer Lebensraum im Stadtgebiet

Die Sandachse, die sich durch Franken und damit auch durch Nürnberg zieht, lagt im Fokus des zweiten Ausflugstages. Die Sandachse kann an vielen Stellen betrachtet werden, wir haben uns das kleine Sandbiotop im Stadtteil Gartenstadt in der Nähe des Alten Ludwigkanals vorgenommen. Viele Tiere und Pflanzen haben sich auf den sandigen Lebensraum spezialisiert, so dass die Mädchen die Spuren von Ameisenlöwen und Sandläufer beobachten konnten, auch Pflanzenstände von Heidenelken und Sandgrasnelken gab es zu entdecken. Wie es zu einem Sandband kommen konnte, erklärte die Biologin. Die Mädchen erkundeten die Besonderheiten dieses Lebensraums mit Becherlupe, Kescher und Schaufel und konnten sich im Natur-Geschicklichkeitsparcours ausprobieren. Auch die Bedrohung von Sandlebensräumen durch Sandabbau wurde thematisiert. Auf dem Heimweg über den Alten Kanal konnten Salamander und Blindschleichen beobachtet werden, ein Mädchen traute sich, eine Blindschleiche auf der Hand kriechen zu lassen – für das Mädchen ein einmaliges Erlebnis. Außerdem war nun die Gelegenheit, nochmals das Thema Wasserlebewesen zu behandeln: Mit Becherlupen konnten einige Mädchen am Uferrand des Kanals Kaulquappen einfangen und beobachten. Die Biologin teilte ihr umfangreiches Fachwissen mit den Mädchen, diese hatten sehr viele Fragen und waren begeistert von diesem Ausflug. Für die meisten war er ein unvergessliches Abenteuer, welches ihnen umfangreiches Wissen auf spielerische Art vermittelte.

3. Tag: Der Föhrenbuck

Nachdem es vorher um den bedrohten Lebensraum Sand in der Stadt ging, stellte der dritte Ausflugstag die Lebensräume Moore, Tümpel und Feuchtwiesen vor. Es ging per Bus zum Föhrenbuck, einem Waldgebiet im Nürnberger Süden. Auf dem Weg machten wir einen Abstecher zum Lebensraum der Kreuzottern am Nürnberger Hafen. Wegen Filmaufnahmen war zufällig ein Experte vom Bund Naturschutz vor Ort, der den Mädchen abgestreifte Häute von Kreuzottern zeigte und spannende Details vom Leben der Kreuzottern am Hafen erzählte. Leider konnten wir keine Schlangen beobachten, da sich diese aufgrund der Tageszeit im nahegelegenen Wald auf Beutezug befanden. Am Föhrenbuck fanden sich Feuchtwiesen und Tümpel, leider wurde der Regen stärker, sodass wir uns nur auf die Lebewesen in den Feuchtgebieten konzentrierten und keine Insekten beobachten konnten.

4. Tag: Leben am Stadtstrand

Der letzte Ferienausflugstag führte uns an die Stadtgrenze zwischen Nürnberg und Fürth. Hier hat sich ein Stadtstrand entwickelt, nachdem die Pegnitz hier unbegradigt fließen kann. Da nun auch das Wetter besser wurde, konnten die Mädchen, ausgerüstet mit Keschern, Schaufeln und Becherlupen, Wasserlebewesen und Wassertieren auf die Spur kommen. Hier leben u. a. Wildenten und -gänse, Haubentaucher und Schwäne, die mit Ferngläsern beobachtet werden konnten. Die Mädchen ordneten Tierspuren zu und entdeckten Kräuter. Auf dem Rückweg machten wir Pause an einer eisenhaltigen Heilquelle (Kleine Mainau), die Biologin erklärte die Zusammenhänge und ermutigte die Mädchen, von der Quelle zu probieren.

Fazit:

Ziel unseres Projektes Stadtökologie war es, Mädchen in St. Leonhard und Umgebung einen frühzeitigen, niedrigschwelligen Zugang zur Natur und Naturthemen zu schaffen, um sie für Umweltthemen zu sensibilisieren und darüberhinaus das Interesse für einen handwerklich-technischen, vielleicht auch »grünen« Beruf zu wecken.

Das Besondere an unserem Konzept ist das Arbeiten mit sehr jungen Mädchen ab der 1. Klasse in einer geschlechtshomogenen Gruppe. Auch in diesem Projekt hat sich dieser Ansatz wieder als sinnvoll erwiesen. Erstmals hatten wir jedoch überwiegend Mädchen zwischen 6 und 7 Jahren im Projekt, deren Deutschkenntnisse noch nicht ausreichend waren, und daher auch das Lesen und Aufschreiben eher schwierig war. Wir sind oft auf das Zeichnen ausgewichen und haben viele Sachverhalte vereinfachend dargestellt. Die Mädchen waren begeistert dabei. Zu jedem Ausflug entstand im Anschluss ein Plakat, auf dem die wichtigsten Daten zeichnerisch, in Form von Fotos oder aufgeklebten Fundstücken (Blätter, Rinde, Früchte, Samen, Tierspuren usw.) festgehalten wurden. Insgesamt musste das Projekt sehr niedrigschwellig gehalten werden. Die Gruppenzusammensetzung war fast jeden Mittwoch neu, sodass sich immer wieder neue Konstellationen ergaben und wenig auf Vertrautes aufgebaut werden konnte.

Die Auswahl unserer Referentinnen hat sich als richtig bestätigt, sie hatten das nötige Know-how und die Sicherheit, um die Angebote ad hoc auf das Niveau der Mädchen zu bringen. Sowohl die Biologin als auch die Schreinerin und unsere ehemalige Praktikantin genießen hohes Ansehen bei unseren Projektteilnehmerinnen, sie sind ihre Vorbilder.

Viele unserer Besucherinnen haben in der Schule mäßigen Erfolg, 2016 hatten wir eine große Anzahl an Schülerinnen, die die erste Klasse schon wiederholen müssen, was für den weiteren Schulverlauf prägend ist. Für diese Mädchen war das Projekt Stadtökologie besonders förderlich, da sie hier endlich Erfolge erleben konnten und nicht auf schulische Defizite reduziert wurden. Die Mädchen erlebten »ihre Stadt« und vor allem den Stadtteil St. Leonhard aus ganz anderen Blickwinkeln. Sie haben neue Orte kennengelernt, Natur hautnah erlebt, ohne große Wegdistanzen überwinden zu müssen. Sie konnten sich mit der Schreinerin an verschiedenen Werkzeugen ausprobieren, selbst kreativ werden und dabei viele neue Kompetenzen erwerben. Sie haben in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld gelernt, dass das eigene Handeln Konsequenzen für das unmittelbare Wohnumfeld hat, für sich selbst und andere, und dass sie selbst einen Einfluss haben, Dinge zu verändern oder Veränderungen anzustoßen.

An unserem Projekt Stadtökologie haben 30 unterschiedliche Mädchen zwischen 6 und 15 Jahren teilgenommen. Die Mädchen bzw. deren Eltern kamen aus Albanien, Vietnam, Rumänien, Türkei, Griechenland, Russland, Ukraine, Polen und Deutschland. Sie wohnen überwiegend im Stadtteil St. Leonhard und besuchen die benachbarten Grund- und Mittelschulen, 6 Mädchen kamen aus anderen Stadtteilen.

Wir sind von der Nachhaltigkeit unseres Projekts weiterhin absolut überzeugt und setzen auch in Zukunft alles daran, Fördergelder für Folgeprojekte zu erhalten. Trotz umfangreicher konzeptioneller Arbeiten bis zur Antragsstellung und -abrechnung hat sich der Einsatz für das Projekt Stadtökologie sehr gelohnt. Vor allem das Pfingstferienprogramm mit den unterschiedlichen Forschungsorten hatte doppelt so viele Anmeldungsanfragen wie freie Plätze. Die Begeisterung für Natur und die verschiedenen Forschungsmöglichkeiten kam bei den Mädchen sehr gut an, sodass wir weiter an der Fortsetzung der Reihe arbeiten werden.

Ohne die Förderung durch das Bayerische Umweltministerium hätte dieses Projekt nicht in dieser Qualität realisiert werden können. Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich für die finanzielle Unterstützung.