Nürnberger Zeitung: »Schwan-Stabilo Cosmetics übernimmt Patenschaft für St. Leonhard/Schweinau«

Der Pate kommt aus Heroldsberg

Der Stadtteil St. Leonhard/Schweinau hat einen Paten: Schwan-Stabilo Cosmetics wird sich langfristig finanziell und ideell in dem Stadtteil mit 23116 Einwohner engagieren. Finanziell unterstützt wird diese Initiative auch durch die Helga&Dr. Erich Schwanhäußer-Stiftung. Damit folgt das Unternehmen aus Heroldsberg mit Nürnberger Wurzeln der Stadtteilpatenschaft für Gostenhof durch die Alexander Brochier Stiftung und für Gibitzenhof/Steinbühl durch die Siemens AG.

Ulrich Griebel, Geschäftsführer von Schwan-Stabilo Cosmetics, brachte es gestern im Mehrgenerationenhaus Schweinau auf den Punkt: „Wir wollen ein Stückchen St. Leonhard/Schweinau ins Unternehmen bringen, und ein Stückchen Unternehmen nach St. Leonhard/Schweinau.“ Einerseits sollen mit dem Schwerpunkt „sozialintegrative Stadtteilentwicklung“ Projekte für den Stadtteil umgesetzt, verbreitert und neu initiiert werden. Dadurch soll die Bildung und die soziale, kulturelle Teilhabe für Familien des Stadtteils verbessert werden. Außerdem werden Projekte unterstützt, die die Integration der Menschen mit unterschiedlichem Migrationshintergrund und unterschiedlicher Zuwanderungsgeschichte fördern.

Griebel wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass bei Schwan-Stabilo Cosmetics derzeit Mitarbeiter aus über 40 Nationen beschäftigt sind; 180 Mitarbeiter des Gesamtunternehmens leben übrigens in den südlichen Stadtteilen Nürnbergs. Als drittes Ziel wird die Vernetzung und Kommunikation, sowohl der Stadtteileinrichtungen und Organisationen als auch der Stadtteilbewohner, definiert und weiter entwickelt werden.

Jeder der fünf Mitglieder der Geschäftsführung übernimmt die Patenschaft für ein Projekt (siehe auch Artikel unten). Griebel berichtete, dass die Geschäftsleitung im Herbst des vergangenen Jahres über das Thema Stadtteilpatenschaft diskutiert habe. „Wir waren uns einig, nicht einfach nur Geld fließen zu lassen, sondern ein aktiver Teil davon zu sein“, so Ulrich Griebel.

Der Geschäftsführer von Schwan-Stabilo Cosmetics überraschte die Gäste mit einigen bewusst überspitzten Aussagen zur Motivation für diese Stadtteilpatenschaft: „Es ist weder Philanthropie (ein allgemein menschenfreundliches Denken und Verhalten, Anm. d. Red.) noch Verkaufsförderung.“ Letzteres scheide schon deshalb aus, weil Schwan-Stabilo Cosmetics seine Produkte ausschließlich an Firmen verkaufe. „Aber wir haben nach zwei Finanzkrisen seit 2008 ein bisschen das Gefühl, dass Firmen heute generell, ich hätte beinahe gesagt, unter Generalverdacht stehen.“ Wenn sich in Deutschland oder anderswo ein unternehmensfeindliches Klima breitmache, dann hilft das nach Griebels Worten auf Dauer keinem, „weil ohne Firmen wird’s eben auch nicht gehen“. Die normalen betriebswirtschaftlichen Erfolgsfaktoren – mehr Umsatz, mehr Gewinn – werden Griebel zufolge nicht helfen, das Vertrauen von weiten Bevölkerungsgruppen in Unternehmen und Wirtschaft wieder herzustellen.

Griebel: „Ich denke, dass Unternehmen heutzutage eine Bringschuld haben, nämlich den Nachweis zu führen, was sie eigentlich für die Gesellschaft außer der vertraglichen Verpflichtung tun.“ Er verwies auf einen Bericht der NZ, wonach Schwan Stabilo zu den größten 20 Arbeitgebern Nordbayerns gehöre. „Wenn das so ist, dann muss die Öffentlichkeit verstehen, was wir tun, warum wir es tun und wie wir es tun“, sagte der Schwan-Stabilo-Cosmetics-Geschäftsführer. Und er hielt den Spannungsbogen hoch: „Der Umkehrschluss, warum wir hier in St. Leonhard/Schweinau sind, ist nicht die Philanthropie, sondern es ist betriebswirtschaftliche Existenzsicherung, es ist Nachhaltigkeit, gepaart vielleicht mit einem Stück Herzblut und Empathie für Menschen und Inhalte.“ Sicher sei einigen aufgefallen, dass die Postadresse des Unternehmens eigentlich Heroldsberg sei. „Aber ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen, wenn ich in New York gefragt werde, wo wir eigentlich zu Hause sind, sage ich Nürnberg – wo die Wiege des Unternehmens 140 Jahre lang war.“ Das kam gut an bei den Gästen.

Dieter Wegener

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