Nürnberger Nachrichten: »Gurken schnippeln – das macht Spaß!«

Sonderthema: Ein Mädchentreff mit Tradition

Kochen ist im Mädchentreff beliebt – Kaum andere Begegnungsstätten im Stadtteil

Dienstag, 13 Uhr: Mit Schwung reißt ein Mädchen nach dem anderen die Tür zum Aufenthaltsraum im Erdgeschoss des Mädchentreffs auf. Es ist Zeit für den Mittagsimbiss, »wir müssen etwas Gesundes essen, damit wir gleich gut lernen können«, sagt Mehriban.

Die Zehnjährige schnippelt in der Küche eine Salatgurke klein. An dem großen Tisch wird oft auch Holz zersägt oder gebastelt. Aber dienstags bis donnerstags bereiten die Mädchen um 13 Uhr eine kalte Mahlzeit zu. Und dienstags nach 15 Uhr, wenn die Hausaufgaben gemacht sind, wird zusammen warm gekocht. Heute soll es Kartoffeln mit Kräuterquark geben. Das ist günstig und gesund.

»Kochen gefällt mir ganz viel«, sagt Mehriban. Das quirlige Mädchen kommt aber auch gern donnerstags zur PC-Werkstatt, »ich gehe gern ins Internet«. Daheim darf sie sich abends nach 21 Uhr einloggen, um mit ihrem Onkel in der Türkei zu chatten. Wenn sie nicht im Treff ist, also vor allem an den Wochenenden, sitzt Mehriban viel vorm Fernseher. Das ist genau das, was die Sozialpädagoginnen verhindern wollen. Die Mädchen sollen lieber selber etwas erleben. Doch auch noch samstags und sonntags aufsperren – das geben Etat und Personal nicht her.

Viele Alternativen haben die Mädchen in St. Leonhard nicht. Auf die Frage, wo sie sich mit ihren Freundinnen gern treffe, fallen der Fünftklässlerin Sauan nur ein billiger Klamottenladen in der Nähe oder das frühere Schlachthofgelände ein. Sie hat das Gefühl, dem Mädchentreff langsam zu entwachsen. »Es ist schade, dass so wenig Ältere hierher kommen«, sagt sie. Ihre Fingernägel sind rot lackiert, beim Mittagsimbiss spricht sie mit ihrer Freundin über ein passendes Geschenk zum Valentinstag. Und darüber, dass Handwerken den Nagellack ramponiert.

Viele Mädchen kommen seit der ersten Klasse. »Meine Eltern freuen sich, dass es mir hier Spaß macht«, sagt die siebenjährige Venessa. Die neunjährige Kübra kommt jeden Tag. Sie macht gern etwas mit den Händen. Ganz stolz ist sie auf die hölzerne Schatzkiste, die sie vor kurzem verschraubt und bemalt hat. Besonders beliebt sind bei den Mädchen die Freitage, dann ist jede Woche ein Ausflug dran. Über dem Esstisch hängt die Liste, in die sich alle eintragen, die mitmachen. Diese Woche geht’s in den Tiergarten – »kommst du mit?« fragen sich die Mädchen aufgeregt. Hier im Treff sind ihre Freundinnen, hier können sie mit den Betreuerinnen Probleme besprechen. In der eigenen Familie haben sie diese Möglichkeit oft nicht.

Ute Möller

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