Nürnberger Nachrichten: »Prölß greift Vereine an«

Sozialreferent verteidigt Hort-Pläne in Mädchenprojekten

Sozialreferent Reiner Prölß kritisiert die Träger der vier Mädchen- und Ausländerprojekte in St. Leonhard und Gostenhof, die sich gegen eine Umwandlung in Hort oder Krippe wehren: »Die Vereine wollen sich nicht bewegen.«

Der Sozialreferent bleibt auf Nachfrage der Lokalredaktion dabei: Die Idee, den Mädchentreff, das Internationale Frauen- und Mädchenzentrum (IFMZ), das Mütterzentrum sowie das Bildungszentrum Degrin teilweise in Horte umzuwandeln, mache Sinn. Er wolle eben nicht nach dem Gießkannen-Prinzip für alle sozialen Projekte die Mittel um die geforderten neun Prozent kürzen. Vielmehr wolle er gerade den vier Frauenprojekten die Chance geben, ohne Kürzungen wegzukommen.

Nichts anderes sei der Zweck der geplanten Horte: »Die Trägervereine bekommen Förderungen des Freistaats und damit finanzielle Sicherheit«, sagt Prölß. Natürlich liegen auch die Vorteile für die Kommune auf der Hand: Sie kann die Zuschüsse kürzen und neue Betreuungsplätze nachweisen.

Prölß verspricht den vier Trägern, dass sie als Horte künftig sogar mehr Geld zur Verfügung haben als bisher. Die betroffenen Vereine sehen das anders: Sowohl Annette Pilotek vom Mädchentreff wie auch Özlem Öz vom IFMZ bemängeln, dass im Fall eines Hortbetriebs das finanzielle Risiko komplett bei den Trägervereinen liege. Das Jugendamt gehe von bestimmten Buchungszeiten und Kinderzahlen aus, »aber wenn doch weniger Eltern ihre Kinder anmelden, weil sich viele in St. Leonhard einen Hortplatz ja gar nicht leisten können, dürften die finanziellen Einbußen die Existenz des Vereins gefährden«, meint Pilotek. Im IFMZ gehen die Frauen davon aus, dass die staatlichen Zuschüsse für den Hort nicht reichen, um ihre Sozialpädagogen zu halten.

Doch dies sei für das offene Angebot, die Beratung der Frauen und Mädchen, dringend nötig. Diese Arbeit soll auch nach dem Willen von Reiner Prölß neben dem Hortbetrieb weiterlaufen. »Ich schätze die bisherige Arbeit der Vereine«, betont der Referent. Doch er hat auch Einwände gegen das Konzept der niederschwelligen Arbeit. Für Pilotek ist nach über 20 Jahren Arbeit in St.Leonhard klar: »Wir erreichen viele Eltern nicht. Sei es, weil sie kein Deutsch können, oder weil sie sich nicht dafür interessieren, was ihre Töchter tun.« Doch die Mädchen bräuchten unabhängig vom Elternhaus einen Ort, an dem sie gefördert und angehört werden. Prölß hält es jedoch für falsch, Elternarbeit auszuklammern. »Wenn wir für die Kinder die Bedingungen des Aufwachsens verbessern wollen, müssen wir an die Eltern herankommen.« Dies leiste im Übrigen »jede ordentlich arbeitende Kindertagesstätte«.

Das Jugendamt helfe gern dabei, neue Konzepte für die vier Einrichtungen zu erarbeiten. Dass sich die Vereine innerhalb weniger Tage für oder gegen einen Hort entscheiden sollten, ist aus der Sicht des Referenten »nicht unglücklich gelaufen«. Die Eile sei den nahenden Haushaltsberatungen geschuldet. Prölß sieht auch erst einmal keine Notwendigkeit, persönlich mit den Trägern zu sprechen. Diese fühlen sich (wie berichtet) stark unter Druck gesetzt. »Aber wer unseren Weg nicht mitgeht, dem werden die Mittel um neun Prozent gekürzt«, kündigt Prölß an.

Ute Möller

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