Projektjahr »Sicher und kompetent mit Medien umgehen – Stärkung der Medienkompetenz bei Mädchen ab der 1. Klasse«

Dank der finanziellen Förderung der Heidehof Stiftung konnten von März bis Dezember 2016 23 Workshops rund um die Vermittlung von Medienkompetenz für die Mädchen in und um St. Leonhard realisiert werden. Als Fachfrauen konnten eine Fotografin und Webdesignerin sowie eine Grafikdesignerin und Medienpädagogin gewonnen werden, die den Mädchen als weibliche Rollenvorbilder dienen und ihnen durch ihr Fachwissen einen intensiveren Einblick verschaffen konnten.

Fotobearbeitung

Im Mittelpunkt standen u.a. verschiedene Programme zur Fotobearbeitung, mit denen die Mädchen im Laufe des Jahres lernten umzugehen. Diese Art von Workshops bot sich an, um mit unseren Besucherinnen über das Thema »Was ist Schönheit« und die damit einhergehenden gesellschaftlichen und überzogenen Schönheitsideale zu diskutieren. Wenn unsere Besucherinnen lernten, Fotohintergründe auszutauschen oder zu verändern, sprachen wir über die unendlichen Möglichkeiten der Fotobearbeitung und Fotomanipulation. Dazu verwendeten wir Fotosoftware und Online-Bearbeitungstools, um den Mädchen eine große Bandbreite an Möglichkeiten dar zu stellen. Die einzelnen Programme wurden wiederholt bei verschiedenen Angeboten eingesetzt, um das Gelernte zu vertiefen und auch in der Zukunft nutzbar zu machen.

So entstanden u.a. Fotos von gespiegelten oder verschmolzenen Gesichtshälften, Stundenpläne, Bilder mit bearbeiteten Hintergründen oder Personen, Fotocollagen zu unterschiedlichen Themen, Perspektivenfotografien, Fotostorys oder Comicgeschichten.

Audio- und Videoprojekte

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Audio- und Videoprojekten. Dabei beschäftigten sich die Teilnehmerinnen mit verschiedenen Geräuschen und Tönen aus ihrer Umwelt, lernten diese wahrzunehmen und mit Audio und Videoprogrammen aufzuzeichnen. Gleichzeitig erzeugten sie eigene Sounds analog oder digital und wendeten diese in Form von Musikclips oder Videos kreativ an.

Bei der Erstellung von Stop-Motion- und Realfilmen konnten sie die Unterschiede der verschiedenen Macharten kennenlernen und erproben. Interessant war zum einen die Entwicklung und Umsetzung der Geschichten, zum anderen die digitale Bearbeitung des Films. Dafür konnten wiederum verschiedene Video-Apps und Computerprogramme verwendet werden. Dabei wurde recht deutlich, was für ein Leichtes es bereits für eine Laiin ist, Spezialeffekte in Filme einzubauen. Von Fantasiegebilden über Explosionen hin zu Schneefall oder Unsichtbar-Werden ist alles möglich. Das bereitete den Mädchen nicht nur eine Menge Spaß, sondern erinnerte sie gleichzeitig daran, wie einfach es ist, in Filmen etwas als real vorzugeben, was es in Wirklichkeit nicht ist.

Interessant waren die verschiedenen Zielsetzungen, die mit diesem Medium verwirklicht werden konnten. So erstellten die Besucherinnen in einem Video-Workshop ein Nachrichtenmagazin. Dazu konnten sie in verschiedene Rollen schlüpfen, wie etwa die der Nachrichtensprecherin, Korrespondentin, Journalistin oder Kamerafrau. Zu Beginn wurde darüber gesprochen, was Nachrichten sind, was dabei wichtig ist und welche Art von Nachrichten die Teilnehmerinnen bereits kennen. Um in der Lebenswelt der Mädchen zu bleiben, sollten sie aus ihrem Alltag berichten und Geschehnisse zu einem passenden Text zusammentragen, den die Sprecherin anschließend in der »Sendung« moderierte. Dabei erhielten die Besucherinnen einen interessanten Einblick in die Welt der Nachrichtenmagazine. Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie kleine und niedrigschwellige Projekte eine Vielzahl von Reflexionsmöglichkeiten bieten.

Computerspiele

Ein zusätzliches Angebot war das Programmieren von Computerspielen. Diese sind bei unseren Besucherinnen weit verbreitet, weshalb wir ihnen den technischen, aber auch kreativen Schaffensprozess von Computerspielen näher bringen wollten. So entstanden erste Anwenderinnenkenntnisse im Programmieren durch einfache Wenn-Dann-Befehle. Ein Beispiel: »Wenn ich mit der Maus auf den Geist klicke, dann soll dieser unsichtbar werden und dann ein Geräusch von sich geben.« Das dadurch erhaltene technische Verständnis ermöglichte den Mädchen einen erweiterten Hintergrund und somit auch einen differenzierteren Blick auf Computerspiele.

Zusätzlich bekamen die Mädchen in verschiedenen Angeboten die Möglichkeit, ihre Recherchefähigkeiten im Internet zu trainieren und grundlegende Kenntnisse im Umgang mit Computer, Kamera und Tablet zu erlangen. Eine Einheit beschäftigte sich zusätzlich mit VR-Technologie (Virtual Reality). Mithilfe einer App konnten die Mädchen ihre Zeichnungen in 3D erleben.

Ferienprogramme

Durch die Unterstützung der Heidehof Stiftung war es uns außerdem möglich, für unsere Besucherinnen zwei Ferienprogramme anzubieten. Unter dem Titel »Fotostory – Klick dich durch deine Geschichte!« konnten in den Osterferien acht Mädchen ab neun Jahren zusammen mit einer Fotografin/Webdesignerin eine Fotostory am Computer entwerfen. Die Mädchen entwickelten zusammen eine Geschichte, erstellten ein Storyboard und gestalteten die einzelnen Szenen aus. Mit Fotokamera und Stativ hielten sie die einzelnen Sequenzen fest. Die Herausforderung dabei war, die Aussage der Bilder so gut zu treffen, dass der Inhalt im Nachhinein auch verstanden wird. Am Computer setzten sie die einzelnen Elemente zusammen, unterlegten sie mit Musik, fügten Sprechblasen und den dazu passenden eingesprochenen Text hinzu. Als nächstes programmierten sie die einzelnen Sequenzen so, dass beim Klicken Musik erklang und eine neue Szene erschien. Beim Anklicken der Sprechblasen wurde zudem der eingesprochene Text vorgetragen. Zum Ende hin hatte jedes Mädchen ein Exemplar der Geschichte auf CD für zuhause erstellt.

Fantasiestadt mit Photoshop
Fantasiestadt mit Photoshop

Im zweiten Ferienprogramm mit dem Titel »Gestalte deine eigene Fantasiestadt!« ging es darum, den Stadtteil der Besucherinnen, der als Problemviertel gilt, nach eigenen Vorstellungen positiv zu verändern. Dabei sollten der Fantasie keine Grenzen gesetzt werden, sowohl in der Motivwahl als auch in den Mitteln zur technischen Ausführung. Als erstes erkundeten wir zusammen mit der Grafikdesignerin den Stadtteil, und jedes Mädchen suchte sich ein für sich passendes Motiv aus, das sie gerne bearbeiten möchte. Viele der Teilnehmerinnen wählten ihr eigenes Haus, ihre Straße oder Schule aus. Das ausgewählte Bild konnte anschließend mit Hilfe von Photoshop bearbeitet werden. Dabei lernten die Mädchen verschiedene Werkzeuge der Fotobearbeitung kennen. Während der nächsten Tage stellten die Teilnehmerinnen Objekte und Personen frei, um sie ins Stadtbild zu integrieren, montierten einzelne Fotos übereinander, bemalten sie am PC, vertauschten die Hintergründe oder setzten Textzeilen ein. Gleichzeitig konnten sie eigene Zeichnungen einscannen und hinzufügen oder Sticker erstellen, welche am Ende auf das fertige Plakat geklebt werden konnten. Zum Schluss konnte jedes Mädchen ihre eigene Fantasiestadt mit nach Hause nehmen. Am Herbstferienprogramm konnten acht Mädchen ab neun Jahren teilnehmen.

Was wollten wir mit diesem Projekt erreichen?

Ziel unseres Projektes ist die Vermittlung von Medienkompetenz. Dazu zählt zum einen das Kennenlernen verschiedener Medien wie Tablet, Computer, Audiogeräte, Foto- und Videokameras sowie deren Handhabung. Zum anderen lernen die Mädchen, sich in der Welt der Medien zu orientieren. Dies umfasst das Kennenlernen verschiedener Medienangebote wie Apps oder Internetseiten sowie deren Nutzungsmöglichkeiten. Zusätzlich soll es Mädchen eine Struktur in einer vermeintlich unüberschaubaren Auswahl an Möglichkeiten geben. Zugleich möchten wir unsere Besucherinnen ermutigen, eine kritische Distanz zu Medien und deren Produkten zu entwickeln. Sie sollen Intentionen von MedienanbieterInnen hinterfragen und Fiktion und Wirklichkeit unterscheiden können. Durch das Herstellen eigener medialer Produkte werden sie zusätzlich selbst kreativ in der Medienwelt tätig und lernen, gestalterisch damit umzugehen.

Weitere Ziele sind unter anderem das Erfahren der eigenen Wirksamkeit und Artikulationswege und der Aufbau von Selbstwert. Gleichzeitig ermöglicht der regelmäßige und selbstverständliche Umgang mit Software einen Wissensvorsprung, wenn es um Berufs- und Ausbildungsplatzfindung geht.

Fazit

Am Projekt nahmen 37 verschiedene Mädchen teil. Diese kamen überwiegend aus den Stadtteilen St. Leonhard und Schweinau, welche als soziale Brennpunkte in Nürnberg gelten.

Gleichzeitig konnten auch Besucherinnen aus anderen Stadtteilen gewonnen werden. Die Besucherinnen waren zwischen sechs und zwölf Jahre alt.

Die Mädchen lernten verschiedene Medien und den Umgang mit diesen kennen, erprobten sie und machten sie sich zu eigen. Zum anderen wurden sie durch gezielte Wiederholung in die Lage versetzt, mehrere sinnvolle Online-Angebote, Software- und App-Anwendungen produktiv zu nutzen. Gleichzeitig bot der niedrigschwellige Ansatz (das gestalterische Herstellen von Medienprodukten) viele Gelegenheiten, um verschiedene Medienangebote oder Inhalte zu hinterfragen und somit die Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung zu fördern.

Neben den erworbenen technischen Inhalten konnten die Mädchen auch auf emotionaler Ebene profitieren. Mit dem Erlernen neuer Fähigkeiten geht auch immer ein gestärktes Selbstbewusstsein einher. Gleichzeitig konnte durch das Projekt das Interesse unserer Besucherinnen an Technik- und Medienthemen gesteigert werden.

Ohne die Förderung durch die Heidehof Stifung hätte dieses Projekt nicht realisiert werden können. Wir bedanken uns an dieser Stelle nochmals ausdrücklich für die finanzielle Unterstützung!

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