Positionen und Ziele für die Mädchenarbeit

Unser Konzept für die Mädchenarbeit stützt sich auf ein ganzheitliches Menschenbild mit feministischen Theorieansätzen. Handlungsgrundlage ist unter anderem der § 9 Abs. 3 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. Daraus ergeben sich nachfolgende Zielvorstellungen.

Die Ziele beziehen sich grundsätzlich auf die Gesamtheit der Programme und Angebote im Mädchentreff. Im Folgenden sind sie in Form von Leitzielen aufgeführt:

Unterstützung bei einer selbständigen Lebensplanung

  • Entwicklung von Sprach-, Handlungs- und Reflexionsfähigkeit, Erfahrung von Selbstwirksamkeit, Erweiterung der Spielräume selbstbestimmten Handelns
  • Förderung von Selbstbewusstsein: Entwicklung des Wissens über eigene Fähigkeiten, Bedürfnisse und Interessen
  • Förderung zur Selbstbestimmung: Entwicklung von Potentialen, Handlungs- und Entscheidungsmöglichkeiten zu einer individuellen und eigenverantwortlichen Lebensgestaltung. Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Möglichkeiten und Zwängen, Auseinandersetzung mit Rollenzuschreibungen und die Fähigkeit zur Rollenübernahme oder zur Rollendistanz
  • Förderung von Selbstachtung: Entwicklung des Selbstwertgefühls und grundlegender Selbstkonzepte durch Erfahrung sozialer Anerkennung und Wertschätzung
  • Entwicklung bzw. Erhalt eines positiven, tragfähigen Körperbewusstseins und Auseinandersetzung mit Fragen zu Schönheit, Liebe, Sexualität und Verhütung, Genderdiversity, Geschlechtsidentität.
  • Prävention von körperlicher und sexueller Gewalt und parteiliche Hilfe in Not- und Krisensituationen.

Erweiterung des Berufswahlspektrums

  • Vermittlung von Kompetenzen im Bereich neue Informationstechnologien, KI, Medien und Ökotechnik
  • Kennenlernen von vielfältigen Vorbildern und Lebensentwürfen und Angebot von Identifikationsmöglichkeiten in technischen und handwerklichen Bereichen
  • Thematisierung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung, der geschlechtshierarchischen Arbeitsmarktsituation und deren Veränderbarkeit
  • Entwicklung einer existenzsichernden und realistischen Berufsperspektive.

Entwicklung sozialer, kultureller und politischer Kompetenzen

  • Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit
    • Erleben von eigenständigem Denken, Artikulieren und Handeln in der Gruppe
    • Einüben von Konfliktfähigkeit statt Konkurrenz
    • Förderung der Fähigkeit zur Empathie
  • Sozialer Rückhalt durch Kontakt- und Beziehungsmöglichkeiten zu anderen Mädchen
  • Förderung eines verantwortungsbewussten Umgangs mit Menschen und Natur
  • Förderung der Medienkompetenz
  • Förderung von kulturellen und kreativen Fähigkeiten
  • Geschichte und Lebensentwürfe von Mädchen und Frauen sichtbar machen.

Politik für Mädchen

  • Bewusstseinsbildung für die Belange und Lebenszusammenhänge von Mädchen in der Öffentlichkeit
  • Bewusstseinsbildung für die Dimensionen sozialer Ungleichheit und das Heranwachsen unter den Risikofaktoren Armut und Ausgrenzung
  • Förderung des Zugangs zu gesellschaftlichen Ressourcen, insbesondere zum Bildungssystem
  • Strukturelle Verankerung von Mädchenarbeit in der Kinder- und Jugendhilfe
  • Gleichmäßige Verteilung aller Ressourcen (Finanzen, Zeit, Räume, Personal) in der Kinder- und Jugendarbeit für Mädchen und Jungen

Interkulturelle Mädchenarbeit

Die bisher genannten Ziele gelten für unsere gesamte Arbeit mit Mädchen und jungen Frauen. Ziele, die sich auf die Vermittlung zwischen den Kulturen beziehen, werden hier, um es deutlicher zu machen, separat aufgeführt.

  • Abbau von ›Wir/Sie‹-Dichotomien und Entdeckung von Gemeinsamkeiten, vom ›Entweder – Oder‹ zum ›Sowohl – Als auch‹
  • Förderung von Einfühlungsvermögen in andere Kontexte
  • Vermittlung des Respekts für kulturelle Unterschiede
  • Vermittlung von Kenntnissen über die Ursachen von sozialer Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Rassismus, sowie Erproben von Veränderungsmöglichkeiten
  • Vermittlung der Möglichkeit, zwischen alternativen Lebensformen wählen zu können.