Stadtanzeiger: »Mädchen-Werkstatt hofft auf neue Geldquelle«

Drei-Jahres-Projekt für Technik und Ökologie erfolgreich beendet – Großteil des Etats stammt von Aktion Mensch und aus Fundraising

ST. LEONHARD - Nach drei Jahren läuft im Mädchentreff Georgstraße ein besonderes Projekt aus: Die Werkstatt für Technik und Ökologie geht zu Ende. Wie es dort nun weiter geht, ist fraglich, denn die Mittel fehlen an allen Ecken und Enden.


Der Blick aus dem Fenster zeigt den kleinen Garten, der an das Haus in der Georgstraße 5 angegliedert ist. Dort schmiegt sich eine Metallbank um einen Baum. "Die haben die Mädels eigenhändig geschweißt", erzählt Annette Pilotek stolz. Die Sozialpädagogin leitete in den letzten drei Jahren das Projekt, das von der Aktion Mensch gefördert wurde.

Jede Woche haben sie und ihre beiden Kolleginnen vom Treff mit den Mädchen gelötet, geschreinert oder Computerspiele programmiert. "Wir wollten damit die Kinder animieren, auch mal in den technisch-gewerblichen Bereich hineinzuschnuppern", erklärt Pilotek. Die meisten der insgesamt 300 Mädchen, die an der Werkstatt teilgenommen haben, sind zwischen sieben und zwölf Jahre alt. "Wir wollten sie vor der Pubertät erreichen, da nehmen sie auch noch begeistert einen Lötkolben in die Hand und setzen sich ohne Scheu an den PC", ergänzt die Sozialpädagogin.

Den Mädchen standen stets Expertinnen zur Seite: Unter Anleitung einer Schreinerin fertigten die Kinder die Werkstatthocker an und mit Hilfe einer Bühnenbildnerin haben sie eine abgewohnte Wand wieder flott gemacht. Eine Zweiradmechanikerin gab ebenso Einblicke in ihre Arbeitswelt wie eine Systemadministratorin.

Auch die Vorhänge des Mädchentreffs sind selbst gebastelt und bestehen aus bunten Plastiklöffeln und -deckeln. "Wenn es um Ökologie geht, ist der gelbe Sack immer ein Superfundus", erläutert Pilotek. Aber die Weiterbildung in Sachen Umwelt hörte in der Georgstraße nicht beim Basteln mit Recycling-Material auf: Auch im Bereich Fotovoltaik konnten die Mädchen experimentieren. Heraus kam eine Vielzahl von kleinen selbst gebauten Solardrehfiguren. Und in einer PC-Werkstatt haben die Mädchen gelernt, wie man Bilder bearbeitet, Filme selbst macht und Hörspiele produziert. Das Projekt war ein solcher Erfolg, dass der Mädchentreff dafür im Jahr 2008 sogar den Frauenförderpreis der Stadt Nürnberg erhielt.

Dass die Werkstatt für Technik und Ökologie überhaupt finanziert wurde, war aber ein Glücksfall. Der Mädchentreff wird zwar von der Stadt Nürnberg bezuschusst, doch der Großteil des Etats stammt aus Fundraising: Sachwerte wie der Lötkolben, das Schweißgerät oder die Computer werden mit Hilfe der Spenden angeschafft. "Aber Stiftungen zahlen keine Gehälter", gibt Annette Pilotek zu bedenken. "Wir hatten riesiges Glück, dass die Aktion Mensch uns mit 180.000 Euro unterstützt hat." Doch nach dem Ende der Mädchenwerkstatt müssten wieder neue Finanzquellen gefunden werden, so die Sozialpädagogin. "Inzwischen ist das Fundraising leider ausgereizt. Wir haben alle Stiftungen durch." Immerhin ist noch so viel Geld übrig, dass Teile der Mädchenwerkstatt für Technik und Ökologie noch bis Ende des Jahres fortgeführt werden können. "Unser oberstes Ziel ist es, wenigstens das Ferienprogramm weiterhin anbieten zu können", erklärt Pilotek, "und Einschränkungen bei unseren Öffnungszeiten wollen wir auch nicht hinnehmen."

Trotz der kürzlich angemeldeten Kürzungen im Sozialbereich beantragt der Mädchentreff bei der Stadt Nürnberg für das nächste Jahr Gelder in Höhe von 163.000 Euro, rund ein Drittel mehr als im Vorjahr.

"Es ist Aufgabe der Kommune, die gemeinnützige Arbeit zu fördern", stellt Annette Pilotek klar. "Gerade hier im Stadtteil haben die Mädchen ein Recht darauf, unterstützt zu werden. Denn wenn sie nicht ins Ferienprogramm kommen, dann hocken sie vor dem Fernseher."

Nicole Hinz

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